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Sonntag, 18. Februar 2018

Schaffhauser Urgestein

Ein sehr historischer Findling: der Roderichstein.
Ich glaube, ich bin mit einer schweren Lithophilie geschlagen. Mit einer übermässigen Liebe zu Steinen. Gestern totalfaszinierte mich im Wald 600 Meter nördlich des Schaffhauser Weilers Gennersbrunn der Roderichstein, ein vermooster Brocken in einer Grube, die wirkt, als sei sie einst von Menschen ausgehoben worden. Allerdings finde ich dazu nichts Schriftliches. Dafür erklärte mir eine Tafel vor Ort, was es mit dem Stein, einem Findling, auf sich hat. Im Jahr 1067 schenkte der römisch-deutsche König Heinrich IV. dem Grafen Eberhard VI. von Nellenburg, Schaffhausens Gründergestalt, ein Jagdgebiet, das in seinen Umrissen den Kern des heutigen Kantons Schaffhausen vorwegnahm. In der Urkunde Heinrichs spielte der Roderichstein bei der Bezeichnung der Grenzen des Jagdgebietes eine zentrale Rolle als Landmarke. Daher ist er sozusagen das Schaffhauser Urgestein.

P.S. Falls es unter den Lesern Leute hat, die wissen, warum der Roderichstein so heisst, wie er heisst - bitte melden! Welcher Roderich ist gemeint? Doch wohl nicht der König der Westgoten.

Samstag, 17. Februar 2018

Tumulus gibt Cumulus

Wendelinskapelle Sarmenstorf: Der Felsen ...
... hat sich durch die Wand ins Innere gefressen. Quasi.
Meine Rundtour ab Sarmenstorf am Mittwoch: total ergiebig mit immer neuen Attraktionen am Weg. Zuerst für die, die die dreistündige Wanderung nachvollziehen wollen, deren Stationen: Pfarrkirche Sarmenstorf - Wendelinskapelle - Zigiholz - Heidenhübelstein - Römische Villa - Bettwil, Kirche - Fahrwangen, Bärenplatz - Flurenweg - Sarmenstorf, Fahrwangerstrasse (Bus). Hier die drei Dinge, die mir am meisten Eindruck machten:
  • Die Wendelinskapelle sieht aus, als hätte ein riesiger Findling die eine Wand durchgefressen. Eine Art Steintumor am Werk. Natürlich ist es umgekehrt. Die Kapelle schluckte jene Hälfte des Findlings, die ihr im Weg stand. Welche Legende das Kirchlein umrankt, kann man hier nachlesen.
  • Im Zigiholz gibt es steinzeitliche Hügelgräber. Grabhügel benennt man auch mit dem lateinischen Wort "tumulus" - um weniger zu frieren, blödelte ich im Wald mit mir selber, was das Zeug hielt. Im Zigiholz kam mir der Slogan in den Sinn: "Für jede Tumulus/ gets hüt im Migros Cumulus."
  • Eindrücklich auch die römische Villa im Sarmenstorfer Waldstück Murimooshau. Ein Teil des Traktes wurde von den Ausgräbern konserviert, darüber errichtete man ein Schutzdach. An diesem hingen Eiszapfen. Ich dachte: "Heizt mal das Wasser auf, edle Römer, ich will heiss baden."

Freitag, 16. Februar 2018

Buttitschifra, Muusa, Schmalz

Schmalz. Also Anke. Also Butter.
Zur neuen "Schweizer Familie" - jetzt am Kiosk - habe ich einen Artikel beigesteuert über die Schweizer Dialekte: Es geht um Kuriositäten, Neuheiten und Trends. Gewusst, dass sich zwei Dialekte immer mehr verbreiten, Zürichdeutsch und Berndeutsch? Man spricht von Regiolekten. Hier vier weitere Appetithäppchen; es würde mich freuen, wenn die Leute das Heft kaufen:
  • Ein BH heisst im Wallis auch "Buttitschifra".
  • Im Jaundeutschen wird die Puppe, mit der Kinder spielen, "Muusa" genannt.
  • Die "Butter" verdrängt den "Anke" und das "Schmalz". Wir Appenzeller sagen noch "Schmalz". Doch das Territorium dieses Wortes, das einst von Schaffhausen bis ins Bündnerland reichte, ist stark geschrumpft.
  • In Gebieten mit Secondos vom Balkan, im Limmattal etwa, kursiert unter jungen Männern seit einiger Zeit das serbische Wort "Brat". Es bedeutet dasselbe wie Englisch "Bro": Bruder. Wobei dieser "Bruder" meist kein leiblicher Bruder ist, sondern ein Freund, Kollege, Kumpan. Bitte nachsprechen mit dramatisch gerolltem R: "Er isch min Brat, Mann."

Donnerstag, 15. Februar 2018

Freude beim dritten Nest

Ziemlich genau drei Stunden war ich gestern gewandert - eine Rundtour im Aargau. Als ich mich nun wieder dem Ausgangsort Sarmenstorf näherte und bereits an die verdiente Mittagspizza dachte, erblickte ich bei Unter Langemoos drei Storchennester. Das erste war leer, von unten besehen. Das zweite auch. Auf dem dritten aber stand ein Storch und betrachtete mich, während ich ihn betrachtete. Später googelte ich und fand heraus: Störche hat es in Sarmenstorf noch nicht lange. Aber sie entwickeln sich prächtig.

Mittwoch, 14. Februar 2018

Walter Züst und die Dornesslerin

Der Chindlistein.
Unlängst schrieb ich über den Chindlistein, der bei der Raspeln steht, einer einsamen Flur im Appenzeller Vorderland. Walter Züst, ein einheimischer Schriftsteller, hat der Gegend einen Roman gewidmet. "Die Dornesslerin" erzählt von Leben und Tod der Agatha Roner, einer verschupften Frau vom Hof Dornesslen, die vor gut 400 Jahren als Hexe verbrannt wird. Eine Szene spielt beim Chindlistein, wo sich zu Johannis ein Grüppchen zu einem mysteriösen Ritual versammelt; unter den Leuten ist auch die Agatha Roner. Man kann die Episode im Internet nachlesen; mehr Gewinn hat man freilich, wenn man das ganze Buch liest - es ist bemerkenswert gut geschrieben. Hier bloss ein Zitat:
"Der Johannismeister stand oben auf dem Kanzelstein. Er hatte sich das Fell eines Stierkopfes mit Hörnern übergestülpt. Seine Maske warf gespenstische Schatten an die Felswand über ihm. Vermummte Gestalten sassen oben beim Tanzplatz. Niemand sprach ein Wort. Alles ging höchst geheimnisvoll zu. Im Süden schimmerte der Mond durch die Tannäste bei der Raspla."

Dienstag, 13. Februar 2018

Kentologie

In Rot: Kent.
(Wikicommons)
Kent ist die alte Grafschaft im Südosten Englands. Die Einwohnerschaft wird traditionell in zwei Gruppen aufgeteilt: Die einen Leute sind die Men of Kent und die anderen die Kentish Men; für Frauen lauten die Bezeichnungen Maids of Kent und Kentish Maids. Wie alle Zuschreibungen dieser Art ist auch diese höchst fragwürdig, es gibt sowieso verschiedene Definitionen. Die häufigste ist geografisch: Östlich des Flusses Medway leben gemäss dieser Einteilung die Men of Kent und die Maids of Kent, westlich davon die Kentish Men und die Kentish Maids. Wie ich darauf komme? Nun, ich lese gerade einen historischen Roman, der kapitelweise in Kent spielt.

Montag, 12. Februar 2018

Lob der Nüchternheit

Die prähistorische Weidemauer in den Bubenauen, Mettmenstetten.

Die T-Hecke birgt zwei Mauern. Der
Hof ist der Haselhof. (GoogleMaps)
Im Rahmen meiner Megalithtour in und um Mettmenstetten im Säuliamt kam ich am Samstag zu den Bubenauen südlich des Dorfs. Dort verstecken sich in einer Hecke zwei prähistorische Mauern, eine davon ist imposant. Auf einer Tafel stand zu lesen, dass diese Steinreihe "ungefähr" auf die Kirche Mettmenstetten ausgerichtet sei. Zwar habe es die Kirche noch nicht gegeben, als die Steinreihe entstand - aber es sei ja möglich, dass sich am Ort der Kirche zuvor ein heidnischer Kraftort befand. Als ich das las, dachte ich wieder einmal, dass ich die Nüchternheit der professionellen Archäologen mag. Jedenfalls mehr als die selbsternannten Spezialisten. Wo auch immer im Land ein Stein steht, meldet sich garantiert ein grossformatiger Spekulierer und sagt, dieser Stein bilde eine Reihe mit anderen Steinen und ziele praktisch genau auf ... an dieser Stelle kommt meist Astronomisches, ein Stern oder die Sonne zur Zeit der Tag-und-Nacht-Gleiche oder, oder, oder. Nun, es gibt derart viele Dinge am Himmel und auf Erden, dass jede Objektreihe immer irgendetwas "ungefähr" anvisiert. Und was die Kirche am heidnischen Kraftort angeht: Tatsächlich kam es vor, dass ein Gotteshaus auf einen heidnischen Kultplatz folgte. Aber finden sich im Fall von Mettmenstetten konkrete Hinweise? Nenei!